Hello again

Auf meiner Rundreise durch Schottland habe ich wunderbare Menschen getroffen.
Ich habe ganz gewöhnliche Menschen getroffen, um zu verstehen wie außergewöhnlich das Leben in Schottland sein kann.
Ich habe die Begegnungen mit meiner Kamera und meinem Mikrofon festgehalten. Am Ende war es aber meist ein Gespräch unter Freunden, nicht ein Gespräch zwischen Interviewtem und Journalistin.
Man braucht kein Kamera-Team oder Lichttechniker – nein, es ist eigentlich ganz einfach. Man drückt den Playknopf der Kamera und hört einfach zu.
Die schönsten Geschichten schreibt immer noch das Leben selbst.

Tag 15: See you soon

Schweren Herzens muss ich mich nach 15 Tagen nicht nur von Schottland, sondern auch von euch verabschieden. Zeit, Danke zu sagen:
Danke, dass ihr euch zusammen mit mir weggeträumt habt – in Lowlands, Southern Uplands, Highlands, auf Inseln, an Strände, zu Ungeheuern, auf einsame Straßen – umgeben von Sonne, Wind, Regen, Gitarrenklängen, Dudelsackpfeifen, Schafen – und vor allem vielen lieben Menschen, die mir jeden Tag versüßt haben!
Der Wind trägt einen Kuss über die Wellen der Nordsee bis zu jedem einzelnen von euch – fangt ihn auf, er ist von mir!
Doch ich verabschiede mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn: see you soon – Schottland und auch euch. Ich lasse Schottland Revue passieren und schneide meine Filme. Die Videos findet ihr dann genau hier – ich gebe euch ein Zeichen – ihr werdet es erkennen.
Achtung: Unbedingt nachmachen!

Schottland – if you can dream it, you can do it

Tag 14: Abschiedsromantik

Auf meinem Weg nach Loch Lomond begegnete ich einem Schatz nach dem anderen – Schätze, die Geschichten erzählen. Der Wind pfeift durch die Gemäuer. Moos überzieht die dunklen Steine. Die Sonne durchflutet Risse im Mauerwerk. Ein Vögelchen sitzt auf dem Turm und singt sein Lied.
Irgendwie hat es etwas magisches. In Schottland findet man ein Schlösschen nach dem anderen. Mal ist es eine Ruine auf einer kleinen Insel mitten in einem Loch, mal ist es ein prunkvolles Märchenschloss, zu dem einem der Zutritt verwehrt bleibt. Allein durch ein kleines Loch im Zaun kann man die Schönheit bestaunen. Dann auf einmal mitten in einer Moorlandschaft ein Schloss, das bewohnt zu sein scheint. Tragen hier etwa noch Prinzessinnen ihr Kleid zur Schau?
Helensburgh am Loch Lomond sollte meine letzte Station werden. Zu diesem besonderen Anlass wollte ich mich betten wie eine Prinzessin. Nicht auf einer Erbse – nein – in einem traumhaften Himmelbett. Das Zimmer riecht nach altem Eichenholz, ein Kronleuchter schmückt die Decke und kleine nostalgische Lämpchen geben den Zimmer eine verspielte Note. Im Kamin knistert das Feuer – ein Funke jagt den nächsten – Wärme durchflutet den Raum.
Während es draußen stürmte, Blätter durch die Luft wirbelten und die Menschen fast von den Gehwegen geweht wurden, machte ich es mir in meinem ganz eigenen Schlösschen romantisch.
Melancholie lag in der Luft – der letzte Abend Schottland war angebrochen.

Tag 13: Fort William – A Gift

Fort William – Outdoor Capital of the United Kingdom – wenn da nur nicht der Regen wäre.
An die Heizung gelehnt sitze ich in meinem Zimmer und blicke gedankenversunken aus den bodentiefen Fenstern. Die Regentropfen suchen sich ihren Weg über die Scheibe – große Tropfen Fressen kleine Tropfen und lassen meine wunderschöne Aussicht auf den Lochaber verschwimmen.
Früher habe ich mich auf die Couch gelegt und dieses Spiel der Tropfen beobachtet. Dabei hatte ich immer diese eine Textzeile auf den Lippen: Liebe Sonne komm doch wieder und zeig dein Gesicht, denn den Regen, denn den Regen den mögen wir nicht.
Ich glaube jedoch es hat sich über Nacht eingeregnet – nicht gerade die besten Vorraussetzungen um den Ben Nevis zu erklimmen. Der hüllt sich auch immer noch in Nebel. Ein bisschen scheu, der Große. Oder hat er einfach – ähnlich wie ich – keine Lust, klatschnass zu werden.
Meine kleinen Freunde, die Gummibärchenbande, haben mich dann aber doch ermutigt, einen Schritt ins nasse Schottlandwetter zu wagen. Der Aufmunterungstrank: Kaffee.
Mit Kaffeegeschmack im Mund und eingemummelt im Zwiebellook machte ich mich auf Touri-Tour. Highland Gift Shop – Kamera – und unzählige nutzlose Mitbringsel. Da steigt die Laune und ich habe mich sogar zu einer kleinen Modenschau hinreißen lassen: Kilt, Wikingermütze, Schotten-High-Heels oder lieber doch die Datschkappe – was meint ihr?
Im Endeffekt habe ich mich für die Flucht nach draußen entschieden – meine trockene Kleidung musste ich hierfür opfern. Mit nassen Chucks, nasser Jeans und nasser Regenjacke konnte ich den Gifts entfliehen und den Nachmittag indoor, in einem schnuckligen Café ausklingen lassen.

Tag 12: Fort William

Was machst du? – Nichts. Ich lasse das Leben auf mich regnen.
Der schottische Regen hat etwas liebevolles – irgendwie schmeichelt es, wenn die Regentropfen von der Regenjacke perlen und man Schottland auf der Zunge schmecken kann.
Ich fühle mich das erste Mal wie ein waschechter Schotte – gehört es nicht dazu, mit Kapuze und Regenschirm durch das Nirgendwo der Highlands zu stapfen?
Stapfen musste ich nicht, sondern kräftig in die Pedale treten. Ich war radeln und das keineswegs auf der Straße und auch nicht auf einem Hometrainer. Das besondere Radl steht in Glendale, einem verschlafen Dörfchen. Mit diesem Zweirad wird ein Webstuhl betrieben. Andrea, die Weaverin ist aus Deutschland und hat sich vor sieben Jahren die Frage gestellt: „Wie weit gehst du, wenn du verliebt bist?“ Sie ist auf der Insel Skye gelandet. Dort lebt sie heute mit Roger und hat eine Weberei gegründet.
Ich habe mich auch verliebt und zwar in die Insel des Nebels – Skye.
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge machte ich mich auf zum Festland, Richtung Fort William.
Völlig durchnässt und durchgefroren kam ich schließlich in dem kleinen Städtchen an, das sein Schattenplätzchen am Fuße des Ben Nevis gefunden hat. Mit Regentropfen auf den Brillengläsern suchte ich vergebens nach dem höchsten Berg Großbritanniens. Er mag den schottischen Schnürrlregen wohl nicht so gern und hat sich unter einer fetten Nebeldecke verkrochen.
Verkriechen wollte ich mich heute aber nicht – trotz Regen, machte ich mich auf die Suche nach Guinness. Nicht um einen Weltrekord aufzustellen, wer schneller nass wird – nein ich wollte endlich mal in einen Pub gehen und mich zu den alten Schotten an den Tresen setzen. Vielleicht finde ich ja Freunde, denn mit denen trinkt es sich einfach am besten.
Cheers sagt der Schotte – ich sage: Hoch de Humbe, Nachbar stumbe, kurz gewunge, Humbe bumbe. Ein feucht-fröhlicher Tag.

Tag 11: Skye – zweites Kapitel

Es war einmal ein Mädchen in blauer Regenjacke und Chucks, dass sich in eine unbekannte Welt wagte.
Alles war verschlafen, Stille weit und breit, dürre Äste versperrten geheime Wege. Ein verwunschener See zu ihrer Linken, zu ihrer Rechten verwunschene Bäume. Sie bahnte sich den Weg durch das Gestrüpp und Geäst nach oben, fühlte sich wie der Prinz, der Dornen zerschlagen muss, um die Schönheit aufzuwecken und zu berühren. Noch ein letzter Schritt, noch ein allerletzter Klimmzug und da stand er: Fairy Glen. Man hatte das Gefühl, ein Schloss wäre versteinert worden.
Sie setzte sich auf den „Turm“, ließ ihre Füße baumeln und genoss den Ausblick.
Ihre Rundreise über die Insel führte sie immer wieder zu mächtigen Bergen mit steilen Klippen, zu Wasserfällen – und zu Schafen. Denn Menschen und vor allem unzählige Autos fand man nur genau da, wo Schilder mit Viewpoint beschrieben waren.
Sie dachte sich, es sei doch eigentlich viel schöner, Spuren dort zu hinterlassen, wo noch nie jemand zuvor gegangen war. Blöd nur, wenn man keine Fußspuren hinterlässt, weil man in die einzige Pfütze eines ganzen Bergmassivs tritt. Dreimal dürft ihr raten, wer das war!
Mit Matschgeräuschen in den Schuhen machte sie sich auf den Weg weiter Richtung Norden. Mittlerweile war auch endlich die Sonne hellwach. Das Mädchen mit der blauen Regenjacke und den durchnässten Chucks hatte das Gefühl, als würde sie mit jedem Schritt, den sie machte, höher kommen, näher kommen – der Stairway to Heaven.
Gestorben ist sie nicht, nur totmüde und begibt sich morgen auf ein neues Abenteuer.

Tag 10: Isle of Skye

Von dem Sonnenaufgang sanft wach geküsst, von Kaffeeduft umschmeichelt und von Nessie keines Blickes gewürdigt, machte ich mich auf die Reise Richtung Isle of Skye.
Je näher ich der Insel kam, desto näher kam ich auch den Wolken, als würde mir der Himmel auf einmal zu Füßen liegen. Ich müsste mich nur ausstrecken, nach einer Wolke greifen und an ihr naschen, wie an einer Zuckerwatte.
Sprachlosigkeit traf auf glänzende Augen, als ich die Insel erreicht hatte. Nie zuvor war ich so einer unberührten Schönheit begegnet.
Auf Skye findet man mächtige Berge, die so weit in den Himmel ragen, dass sie die Wolken spalten, öde Torfmoorlandschaften, auf denen man ein Schattenspiel der Wolken beobachten kann und wunderschöne Küstenlandschaften, die bisher nur von der Sonne berührt wurden.
Ich fühle eine unbeschwerte Freiheit, während ich mich auf die Suche nach einem Kaffee mache. Doch anstatt meiner geliebten schnuckligen Cafés finde ich: nichts. Man hat das Gefühl, die Insel sei unbewohnt. Endlose Prärie. Ein einziges Haus mitten in die Landschaft gesetzt. Zwischendurch Schafe, die Gras mampfen und dann wieder: nichts.
Ich setze mich auf eine Wiese und blicke über einen kleinen See. Auch hier scheine ich mit meinem Schatten alleine zu sein. Ich schaue neben mich und muss schmunzeln – ganz alleine bin ich doch nicht. Da stehen sie und sonnen sich: kleine unschuldige Gänseblümchen. Manchmal braucht man doch gar nicht mehr um glücklich zu sein – heute waren da nur Isle of Skye und ich. Es hat nichts gefehlt.

Tag 9: Loch Ness

Es schimmert golden – der Alkohol läuft am Glasrand runter – wie Regentropfen, die ihren Weg über die Fensterscheibe suchen. In Schottland nennt man es Water of Life. In meinem Leben war es heute das erste Mal, dass ich Whisky getrunken habe. Bisher hatte ich es nicht einmal gewagt, meine Nase über den Glasrand zu hängen. Heute hieß es laut Whisky Man Jim: schnuppern, schwenken, schnuppern und einen Schluck Schottland genießen. Rauchig – herb – ein Hauch von Süße – und im Abgang wie Feuer. Doch irgendwie könnte ich mich an diesen Geschmack gewöhnen. Lecker:
Whisky – ein Stück Schottlands in Fässern gelagert.
Ich werde heute auch in einem Fass gelagert. Ob ich reifer werde?
Direkt am Loch Ness, auf Augenhöhe mit Nessie. Die fassähnlichen Häuschen werden Hobbit genannt und ich fühle mich auf einmal wie bei Herr der Ringe, auf der Suche nach meinem Schatz namens Nessie. Momentan ist es still, fast mystisch. Die Sonne versteckt sich hinter den dunklen Wolken, die immer dichter zu werden scheinen. Irgendwie ist mir ein kleines bisschen mulmig zumute. Hab ich da unten am Wasser etwas gehört? War da ein dunkler Schatten zu sehen? Nein…
Um Nessie mit mir gut zu stimmen, dachte ich, ihr ein paar Komplimente zu machen. So macht man das doch beim Kennenlernen. Doch bisher ist es leider ein Blind Date.
Ich setze mich an das Ufer neben Aragorn, Frodo und Gandalf – ähnlich wortkarg wie Nessie.

Tag 8: Die Highlands – eine Schatzsuche

Die Sonne spiegelt sich im Meer und hinterlässt einen goldenen Schleier auf der Wasseroberfläche. Ich sitze am Strand und schreibe euch – dann ist es fast so, als würdet ihr neben mir sitzen. Ich schaue in die Sonne, die langsam am Horizont zu verschwinden scheint. In Schottland – in den Highlands – findet man eine ganz besondere Einsamkeit. Einsam und doch nicht allein, weil man überall Schätze findet.
Ich habe mich heute auf Schatzsuche begeben. Wie früher, wenn man Kreidepfeilen auf der Straße hinterhergejagt ist. Meine Gefährtin: Christine. Vor einigen Jahren hat sie sich in diese Schätze Schottlands verliebt und ist geblieben. Eigentlich kommt sie aus dem selben Örtchen wie ich: dem Tor zum Odenwald. Heute hat sie mir die Tür in eine ganz andere Welt geöffnet. Findhorn – ein Ort, an dem man zu sich finden kann. Jedes Jahr reisen tausende Menschen dort hin, um alles andere zu vergessen. Was ich wahrscheinlich nie vergessen werde, ist die Wanderung durch Logie. Hier findet man nichts außer Stille, Bäume, steile Klippen und einen rauschenden Wildbach. Wenn man genauer hinschaut, kann man im Schaum an der Wasseroberfläche Gesichter erkennen.
Aufwärmen konnte ich mich bei der Tea Time, die ich zu meiner Coffee Time gemacht habe. Das Café war der Ausgangspunkt für meine letzte kleine Schatzsuche an diesem Tag: ein schnuckeliger Buchladen.
Der Duft alter Bücher lag in der Luft und beim Stöbern erschien a little man who laughs, who has golden hair and who refuses to answer questions, you will know who he is…
Ein wunderschöner Tag, ganz nach Schottlands Geschmack: Regen trifft auf Sonne.
Die Highlands – ein bittersüßes Erlebnis.

Tag 7: Die Highlands

„Over the hills and far away“ – Ein Highway, dunkle mächtige Felsen zu jeder Seite, die Sonne brennt sich in den Asphalt – Niemandsland.
Ab und zu trifft man auf Schafe, die friedlich auf der Weide grasen und Möwen, die zwischen den Wolken tanzen.
Ich war angekommen. Dort, wo der Himmel den Boden berührt – in den Highlands.
Ferne Weite – vergessene Welt – und ich einfach so klein in dieser überwältigenden Natur. Klein auch neben dem riesigen Highlander, der mir heute das Hammerwerfen beigebracht hat. Oder sagen wir mal so: Er hat es versucht und ich habe es versucht – das Ergebnis: Muskelkater. Er hat dieses schwere Teil wie einen Hula-Hoop-Reifen um seinen Kopf geschleudert, sodass einem beim Zuschauen schon fast schwindelig wurde.
Um meine Muskeln zu entspannen, verbrachte ich den restlichen Tag am traumhaften Strand. Es roch nach Meer, der Wind blies mir um die Ohren und ich verspürte die Lust, einfach ins Wasser zu springen. Trotz Sonne war es mir dann aber doch zu kalt. Um meine Finger etwas aufzuwärmen, packte ich meine Gitarre aus und begleitete das Meeresrauschen.
Ich vergaß die Zeit und auch, mich mit Sonnenmilch einzucremen. Meine rote Nasenspitze wird mich aber auch noch in zwei Tagen an diesen schönen Moment erinnern.